Frischer Wind auf Kurzwelle

Die Rundfunkfrequenzen unterhalb von 30 MHz sind aus kommerzieller Sicht inzwischen wohl zweifellos klinisch tot. Und anders als im UHF-Bereich, wo im Rahmen der aktuellen Umstellung auf DVB-T2 erneut kräftig Frequenzen zugunsten von Mobilfunk umgewidmet werden, scheint es für die Kurz-, Mittel- und Langwellen-Rundfunkbereiche bislang keine großen Begehrlichkeiten zu geben. Das verwundert wenig, ist doch die dort verfügbare Bandbreite stark begrenzt – und Bandbreite ist heutzutage schließlich die Maxime. Digitale Aussendungen in diesen Bereichen wurden zwar immer mal wieder getestet, sind aber nie wirklich über das Versuchsstadium hinausgekommen, zumindest nicht in Deutschland. Und Überreichweiten mögen uns Funkamateure zwar erfreuen, sind aber aufgrund schlechter Planbarkeit und möglicher Interferenzen für kommerzielle Nutzer wohl eher ein Minuspunkt.

Inmitten der Brache des AM-Rundfunks zeigt sich nun aber schon bereits seit einiger Zeit eine Entwicklung, mit der so wohl nur die Wenigsten gerechnet hätten: Die rechtlichen und technischen Zugangshürden zu Rundfunkaussendungen in den AM-Bereichen sind gering geworden, und so gibt es zahlreiche neue nichtkommerzielle Sender, deren Hauptantrieb Spaß am Medium ist. Ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage dass dies wohl die spannendste Entwicklung im Rundfunk seit der Blüte der Piratensender ist. Natürlich gibt es spätestens seit der großflächigen Verbreitung von Breitband-Internet auch zahllose Webradios in unterschiedlicher technischer und inhaltlicher Qualität, aber die meisten Leser dieses Artikels dürften mir sicher zustimmen dass Radio ohne Hochfrequenz einfach nicht dasselbe ist. 🙂 (Und nein, die freiverkäuflichen FM-Transmitter zählen nicht!)

Der Anlass weshalb ich diese Zeilen schreibe ist dass ich vorhin beim Durchschalten der Speicherplätze meines Kurzwellentransceivers auf dem Weg zum 40m-Band auf der 6070 kHz „hängenblieb“ – der Frequenz also, auf der auch Radio DARC sendet. Vorhin war es aber das Programm von Radio Sylvia, was meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Wie der Name schon vermuten lässt handelt es sich dabei um einen ehemaligen Piratensender, der inzwischen legal als Webradio existiert und einzelne Sendungen auch über angemietete Kurzwellensender verbreitet. Leider bekam ich nur die letzte halbe Stunde mit, war aber dennoch ziemlich angetan von der Musikauswahl, die man selbst bei Spartensendern auf UKW so wohl kaum finden würde. So macht Radio hören mal wieder Freude! In den bevorstehenden Urlaub kommt jedenfalls wieder ein Kurzwellenempfänger mit.

Noch kurz zu den technischen Parametern: Obwohl die Sendeanlage von Channel 292, welche die Frequenz 6070 kHz nutzt, sich bei Ingolstadt befindet und mit „nur“ 10 kW arbeitet, konnte ich die Sendung durchgängig mit S9+10 und ohne Fading oder Phasenauslöschungen empfangen. Als Empfänger diente mein Icom IC-728 mit einer Drahtantenne von ca. 20 Metern Länge. Die NF-Wiedergabe klang teilweise etwas angezerrt, was aber an der Filterung im Empfänger liegen mag, deren Bandbreite für Rundfunk etwas zu gering sein dürfte.

Namen und Rufzeichen, Nachtrag

Wie angekündigt habe ich in den gängigen Internetportalen für Rufzeichen usw. nun meinen Vornamen geändert. Sicherlich habe ich noch das ein oder andere vergessen, zudem wird es vermutlich dauern bis die Änderung überall hin übernommen wurde. Für entsprechende Hinweise bin ich natürlich dankbar…

Leider weigert sich der DARC, mich intern als Frau zu führen, obwohl rein rechtlich nichts dagegen spricht und sogar ärztliche Unterlagen mit Diagnose F64.0 vorliegen. Die Änderung wird also wohl erst in einem Zug mit jener gegenüber der Bundesnetzagentur stattfinden können.

Namen und Rufzeichen

Wenn der Name eines Funkamateurs nicht mit dem Callbook übereinstimmt, dann handelt es sich entweder um Rufzeichenmissbrauch, oder das Rufzeichen hat seinen Inhaber gewechselt. So war es auch bei meinem aktuellen Rufzeichen, DJ6DP, dessen vorheriger Inhaber Wilhelm leider im Jahr 2011 verstorben ist.

Nun ändert sich der zum Rufzeichen gehörende Name erneut, aber die Person dahinter bleibt dieselbe. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Vor ca. einem Jahr habe ich mir eingestanden, dass ich eine Frau bin, und bin seitdem auf dem Weg zu einem Leben als solche. Dabei bin ich mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem ich nichts mehr verheimlichen, sondern überall in der richtigen Identität leben und auftreten möchte.

Daher werde ich in Kürze in den gängigen Rufzeichenlisten sowie gegenüber dem DARC meinen Namen entsprechend ändern. Der offizielle Gerichtsbeschluss und somit auch die Änderung gegenüber der Bundesnetzagentur folgt dann wahrscheinlich im Lauf des aktuellen Jahres.

Zwar hatte ich überlegt, mein Rufzeichen ebenfalls zu wechseln, doch sehe ich keinen Grund dafür. Anders als die meisten Vornamen ist ein Rufzeichen schließlich geschlechtslos und ich kann mich damit nach wie vor identifizieren.

vy 73
Daria, DJ6DP